Deutscher Gewerkschaftsbund

21.02.2018
POTSDAM

Viele Gäste folgten DGB-Einladung zu Dokfilm und Diskussion

In Kooperation mit VERDI, IG METALL und FREILAND

Am 21.Februar 2018 veranstalteten der DGB WESTBRANDENBURG und der DGB-Kreisverband OBERHAVEL im FreiLand Potsdam einen Abend mit dem Dokumentarfilm REISE IN DEN HERBST und dem anwesenden Filmemacher Martin Keßler mit anschlißender Diskussion.

Viele Gäste folgten der Einladung und diskutierten mit dem Regisseur, der sich mit seinem Filmteam auf die Suche durch das ganze Land nach Antworten auf die Ursachen des Vertrauensverlustes vieler Menschen in die etablierten Parteien begab.
Zu Beginn begrüßte DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Techen die Gäste sowie den Filmemacher Keßler und bedankte sich bei den KollegInnen des Kreisverbandes OBERHAVEL für deren Initiative zu diesen Abend, der ein spannender und inhaltsreicher werden würde, wie sich am Ende herausstellte.

 

Plakat REISE IN DEN HERBST

Bild © MK Filmproduktion 2017

"Reise in den Herbst - Alles wie gehabt oder Zeitenwende?" startet zu Beginn des Jahres 2017. Eines Jahres mit richtungsweisenden Wahlen. In den Niederlanden, Frankreich, Deutschland. Und in dem sich viele fragten: Erleben wir jetzt auch in Europa und Deutschland den Durchmarsch der Rechtspopulisten? Schlammschlachten auf niedrigstem Niveau? In denen Fremde, Flüchtlinge als Sündenböcke dienen. Um von den eigentlichen Fragen abzulenken?: Nach den Ursachen des Vertrauensverlustes in etablierte Parteien und Institutionen. Und wie man dem begegnen soll. Ist das „alte System“, gar der Kapitalismus, am Ende? Und was kommt danach?

Auf der Suche nach Antworten reiste das Filmteam quer durch Deutschland.
Es entstanden Bilder, die den Zuschauern nach Ende des 140-minütigen Films im Kopf hängen blieben und noch einmal komprimierten, was viele Menschen im Verlaufe des Jahres 2017 miterlebten, zumindest jedoch aus Medien erfuhren.

Der Film beginnt in Koblenz, wo sich die Rechtspopulisten Europas gemeinsam inszenierten. Er verfolgt die Entwicklung der SPD vom Parteitag mit ungeahneten Höhen sowie der Entwicklung danach, den verlorenen Landtagswahlen und der Bundestagswahl im September.
Die Bilder und Worte der handelnden Personen sprechen für sich. Daher ließ Keßler diesen Film unkommentiert. Alles Original.
Und zwischendurch die Fahrten im Zug durch die Landschaften der Republik.

Speyer. Der gerade verstorbene Helmut Kohl wird in einem Staatsakt gewürdigt.
16 Jahre war er Kanzler, begonnen in der alten und beendet in der neuen Bundesrepublik.
Ist mit ihm auch der alte rheinische Kapitalismus zu Grabe getragen worden?
Würden Globalisierung, Neoliberalisierung und damit verbunden auch Entpolitisierung, Individualisierung und Entsolidarisierung die "neue" Gesellschaft in die Spaltung, also in Ausgrenzung und in Kriege führen?

Die Antwort war nicht in der Sequenz aus der Goethe-Universität Frankfurt (Main) zu finden. Oder doch?
In diesem Livemitschnitt aus dem Audimax vor vielen jungen Studierenden hielt der smarte FDP-Chef Lindner - nein, keine ernstzunehmende Vorlesung - eine rhetorische Stunde ab, die den ZuhörerInnen vor Entzücken die Augen weiten ließ.
Inhalte? Visionen? Fehlanzeige!
Lindner hätte auch "Waschmittel anbieten können", so ein Kollege aus Oberhavel, "die Studierenden hätten gekauft!"
Ist das unsere Zukunft? Es sind Studierende der Goethe-Universität. Goethe!

Es folgen Bilder aus Hamburg. G20-Gipfel.
Die verschiedenen Seiten ließ Keßler zu Wort kommen.
Auch EinwohnerInnen aus dem Schanzenviertel.

Die Bundestagswahl im Herbst 2017 ist das letzte Thema des Films.
Gaulands AfD hat ein wichtiges Ziel erreicht.
Wir es so bleiben?
Und die anderen Parteien? Haben sie versagt...?

Im Anschluß gab es noch lange Diskussionen der Anwesenden mit dem Filmemacher.
Viele Gäste meinten, das gerade Gesehene muss erst noch verdaut werden.
Ein Gast sagte, er hätte sich Kommentare im Film gewünscht.
Andere fragten nach den Impulsen für den Film.
Schnell wurde die Diskussion zu einer nach den Möglichkeiten für die Zukunft.
Nach dem Können, dem Wollen und dem Müssen.
Wer muss hier sich bewegen? Welche Rolle können Gewerkschaften und andere (Sozial-)Verbände spielen.
Was sind die Kerne gesellschaftsverändernder Gestaltungsnotwendigkeiten?

Einig waren sich alle Anwesenden nach ganzen 4 Stunden: Ein "weiter so" geht gar nicht. Denn es geht um

V E R T E I L U N G S G E R E C H T I G K E I T !

Um nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Und das ist noch nicht einmal revolutionär, sondern allgemein anerkannte Notwendigkeit. Vielleicht versteht das auch mal jemand von den demokratischen Parteien in Berlin, bevor es zu spät ist...

Auch die zahlreichen KollegInnen aus dem Landkreis Oberhavel, die die weite Reise in die Landeshauptstadt antraten, waren auf ihrer Heimfahrt am späten Abend noch voller Eindrücke und diskutierten auch mögliche Folgen für ihre Arbeit im Norden Brandenburgs.

 

Mehr Informationen zum aktuellen Dokumentarfilm: HIER  

 


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