Deutscher Gewerkschaftsbund

24.05.2017
Westbrandenburger Kollegen in Prag

Deutsche Gewerkschafter und ČMKOS-Vize zu Gesetzlicher Rente

Gewerkschafter aus Westbrandenburg waren im Rahmen eines von der Otto-Brenner-Stiftung finanzierten Projektes der IG Metall Potsdam/Oranienburg für drei Tage in Prag zu Gast, um sich mit tschechischen und slowakischen Kollegen über aktuelle Themen der Gewerkschaften auszutauschen. In diesem Jahr waren die Rentensysteme der drei Länder Schwerpunkt des schon traditionell jährlichen Treffens. Die DGB-Region Westbrandenburg ist Kooperationspartner des Projektes.

CMKOS-Vize Samek

Bild © DGB Westbrandenburg

Teilgenommen an den Gesprächen hatte auch der stellvertretende Vorsitzende des tschechischen Dachverbandes ČMKOS, JUDr. Vít Samek, der umfassend über die rentenpolitischen Ausrichtungen der tschechischen Gewerkschaften und deren Dachverband, die tschechische Schwesterorganisation des DGB, berichtete. In der Diskussion wurde deutlich, dass trotz Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Rentensystemen der Länder die Forderungen der Gewerkschaften nach einer Stärkung der gesetzlichen Rentensysteme als zwingend notwendige und zuverlässige Grundlage gegenüber kapitalbasierten Privatangeboten aktueller denn je ist, um Altersarmut zu vermeiden. So berichteten die Kollegen aus der Slowakischen und Tschechischen Republik von ihren Drei-Säulen-Modellen der Rentensicherung in ihren Ländern, das in den risikobehafteten privaten Teilen für viele Einzahlende besonders nach der Finanzkrise zu Verlusten von Ersparnissen führte.

 

Diskussion zu Rentenpolitik in DE, CZ und SK

Von links nach rechts: F.Techen (DGB Westbrandenburg), B.Thiele (IG Metall Potsdam), J.Klimec (Echo), T.Machanec (tschech. Ministerium für Arbeit und Soziales, Abt. Sozialversicherung) Bild © DGB/DAlmagro-Velazquez

Vom tschechischen Ministerium für Arbeit und Soziales nahm Direktor Tomáš Machanec von der Abteilung Sozialversicherung teil (im Bild rechts).
Machanec stellte sich nach seinen Ausführungen zur Geschichte und aktuellen Entwicklung des Rentensystems sowie dem Umgang des tschechischen Staates mit der demografischen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklung den Fragen der Gewerkschafter.

 

Rentendiskussion in Prag

Bild © DGB Westbrandenburg

Die deutsche Delegation bestand aus Kollegen der Gewerkschaften IG Metall, ver.di, IG BAU sowie des DGB Westbrandenburg, darunter Regionsgeschäftsführer Frank Techen.
Bernd Thiele, als Sekretär und ehemaliger 1.Bevollmächtigter der IG Metall Potsdam/Oranienburg seit über 10 Jahren Leiter der grenzüberschreitenden Gewerkschaftertreffen, betonte in der Diskussion, dass besonders die prekären Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland zu Altersarmut bei Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen werde. Daher kämpfen die Gewerkschaften in der Bundesrepublik bis zur Bundestagswahl im September mit einer großen Kampagne dafür, dass die Argumente des DGB-Rentenkonzepts in die öffentliche politische Debatte und dem Wahlkampf eingebracht werden mit dem Ziel, dass nach der Wahl die gewerkschaftlichen Forderungen in eine neue Rentenpolitik mündet. Thiele bedankte sich bei Jan Klimec und dessen Kollegen von den Gewerkschaften Echo (Tschechien) sowie Echoz (Slowakei) für die hervorragende organisatorische und inhaltliche Vorbereitung vor Ort und betonte, wie wichtig der Austausch mit den Nachbarn sei. „Gerade in Zeiten, in denen europafeindliche Versuche von rechtspopulistischen Parteien, die Gesellschaften zu spalten, um Abschottung und Nationalismus durchzusetzen, ist es wichtig, für sozialpolitische Korrekturen in den Ländern und für ein starkes Europa zu streiten. Aber auch, die Forderungen nach einem sozialen Europa deutlicher denn je hörbar zu machen.

Dem schloss sich der DGB-Regionsgeschäftsführer in Westbrandenburg an. Für Frank Techen, der auch Präsidiumsmitglied im deutsch-polnischen Interregionalen Gewerkschaftsrat Viadrina ist, sei die Auseinandersetzung mit sozialpolitischen Themen wie der Rente auch in anderen Ländern ein Beleg für eine Entwicklung zum Nachteil der Beschäftigten, wenn es um ihre auskömmlichen Renten gehe – unabhängig davon, ob die Kollegen in Prag, Oranienburg, Bratislava oder Potsdam arbeiten und leben. „Besonders Frauen seien in diesen Ländern von Altersarmut betroffen“. Daher freue er sich sehr über die Beteiligung der Kollegen aus Betrieben wie dem Stahlwerk Hennigsdorf, aber auch, dass es aktive Kollegen aus den DGB-Kreisverbänden der Region wie Potsdam-Mittelmark und Oberhavel sind, die „neben ihrem betrieblichen und lokalen Engagement auch über den nationalen Tellerrand schauen und sich in die notwendige sozialpolitischen Diskussionen einbringen“.


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