Deutscher Gewerkschaftsbund

25.04.2017

Gedenken an im KZ ermordeter Gewerkschafter

72. Jahrestag der Befreiung des KZ Sachsenhausen

Gedenkstein für ermordete Gewerkschafter im KZ Sachsenhausen

Bild © DGB / FTechen

Am 72.Jahrestages der Befreiung der Häftlinge des KZ Sachsenhausen bei Oranienburg (Landkreis Oberhavel) am 23.April 1945 gedachten Kolleginnen und Kollegen des DGB und der Gewerkschaften der Opfer der Nazidiktatur am Gedenkstein für die inhaftierten und ermordeten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der KZ-Gedenkstätte. 

Unter den Teilnehmer_innen waren u.a. Rolf Erler (Bezirksleiter IG BCE Berlin-Mark Brandenburg), Susanne Stumpenhusen (Landesbezirksleiterin ver.di Berlin-Brandenburg), Andreas Bernig (Vorstandsmitglied GdP Brandenburg), Hans-Joachim Schumann (Vorsitzender DGB Oberhavel) sowie die Regionsgeschäftsführer Frank Techen (DGB Mark Brandenburg) und Sebastian Walter (DGB Ostbrandenburg).

Würdevoll umrahmt wurde das Gedenken von der Schauspielerin und Sängerin Isabel Neuenfeldt, die trotz strömenden Regens mit ihrer Stimme und ihrem Akkordeon mit sehr einfühlsamen Liedern u.a. mit Texten von Erich Mühsam und John Lennon dem Ort und dem Gedenken eine ganz besondere Stimmung gab.

Die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, erinnerte in einer bewegenden Rede an die Worte des 1944 in Berlin-Plötzensee von den Nazis ermordeten Gewerkschafter Wilhelm Leuschner, der die Notwendigkeit der Einheit der Gewerkschaften betonte, um ein 1933 nie wieder zuzulassen. 

"Besonders in diesen Zeiten sei es notwendig, an diesem Ort auch symbolisch Zeichen zu setzen und die Erinnerung wach zu halten - als Mahnung für unser Handeln heute."

Ein starkes Zeichen dieser Einheit war die Begleitung der DGB-Bezirksvorsitzenden durch die stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (dbb), Astrid Hollmann. Ihr sei es ebenfalls mit Blick auf die Gegenwart sehr wichtig, so Hollmann, gemeinsam an diesem Gedenken teilzunehmen und auch, dass Gewerkschaften gemeinsam gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auftreten.

Anschließend fand die zentrale Gedenkveranstaltung statt, an der auch Überlebende des KZ Sachsenhausen teilnahmen. Vor einigen hundert Teilnehmer_innen sprachen u.a. Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees Roger Bordage, der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Prof. Dr. Günter Morsch und der niederländische Schriftsteller Geert Mak.

Aus der Erfahrung der Geschichte und mit Blick auf die zufällig am gleichen Tag durchgeführte erste Runde der Präsidentschaftswahlen in seinem Heimatland beschwor der Franzose Bordage in seiner bewegenden Rede das gemeinsame Streben nach Demokratie, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und nach der Einheit der europäischen Völker.

Der Hans-Eisler-Chor Berlin eröffnete musikalisch die Gedenkveranstaltung und schloss diese traditionell mit dem Moorsoldatenlied. (siehe rechte Spalte).

Zum Abschluß der Veranstaltung wurden Kränze an der Gedenkmauer der ehemaligen "Station Z", dem Krematorium des KZ, niedergelegt.
Doro Zinke, Andreas Bernig und Rolf Erler ehrten die im KZ Sachsenhausen Ermordeten mit einem Kranz des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg - stellvertretend für alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.


Nach oben

Moorsoldatenlied

Wohin auch das Auge blicket, 
Moor und Heide nur ringsum. 
Vogelsang uns nicht erquicket, 
Eichen stehen kahl und krumm.


Wir sind die Moorsoldaten  

und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.


Hier in dieser öden Heide 
ist das Lager aufgebaut, 
wo wir fern von jeder Freude 
hinter Stacheldraht verstaut. 


Wir sind die Moorsoldaten  

und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.


Morgens ziehen die Kolonnen 
in das Moor zur Arbeit hin. 
Graben bei dem Brand der Sonne, 
doch zur Heimat steht der Sinn. 


Wir sind die Moorsoldaten  

und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.


Heimwärts, heimwärts jeder sehnet, 
zu den Eltern, Weib und Kind. 
Manche Brust ein Seufzer dehnet, 
weil wir hier gefangen sind. 


Wir sind die Moorsoldaten  

und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.


Auf und nieder gehn die Posten, 
keiner, keiner kann hindurch. 
Flucht wird nur das Leben kosten, 
Vierfach ist umzäunt die Burg.

Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.


Doch für uns gibt es kein Klagen, 
ewig kann's nicht Winter sein. 
Einmal werden froh wir sagen: 
Heimat, du bist wieder mein.


Dann ziehn die Moorsoldaten  

nicht mehr mit dem Spaten  
ins Moor!


Text:

Johann Esser,
Wolfgang Langhoff (1933)


Musik:

Rudi Goguel (1933)

Zuletzt besuchte Seiten